Schlau, schlauer, einsamer Löwe!

Warum Hochbegabte oft Problem mit Vorgesetzten und Kollegen bekommen!

 

Letztens erzählte mir eine Lehrerin, dass die Lehrerkonferenzen sie oftmals zum Wahnsinn treiben. Das Kaugummiartige in die Länge ziehen von Themen und das sich immer wieder um denselben Brei Drehende. Obwohl doch ihrer Meinung nach schon vor einer Stunde eine logische Lösung gefunden war, welche oftmals von ihr vorgeschlagen wurde.

Dann der Ärger und die innere Wut, wenn eine Stunde später eine Kollegin oder ein Kollege genau die Lösung vorschlägt, jedoch in andere Worte verpackt. Sie selbst wurde jedoch vor einer Stunde verständnislos angeschaut und einfach überhört! „Das ist aber längst noch nicht alles!“, sagte sie. „Wenn ich dann das Kollegium darauf aufmerksam mache, dass dieser Lösungsvorschlag von mir schon vor einer Stunde gemacht wurde und dass nun viel Zeit für nichts vertrödelt wurde, schauen sie mich verständnislos an, glauben mir nicht, oder fangen sogar an das ins Lächerliche zu ziehen. Ich fühle mich dann immer sehr schlecht, unverstanden, bin verletzt und zweifle an mir selber. Auch frage ich mich, ob ich wirklich dieselbe Sprache spreche wie meine Kollegen?“

 

 

Wie ticken Hochbegabte

 

So wie dieser Lehrerin geht es den meisten Hochbegabten, die in Meetings sitzen und in der Lösungsfindung viel schneller kombinieren, strukturierter und abstrakter denken. Auch sie werden durch ihren Überholvorgang der anderen Meetingteilnehmer entweder mit Nichtachtung gestraft, oder es wird ihnen Überheblichkeit und unkollegiales Verhalten vorgeworfen.

Das Nichtverstehen der Kollegen und Vorgesetzten entsteht häufig auch durch ihr unglaublich schnelles Sprechen. Das Kopfkino dieser Menschen ist so groß und schnell, dass sie ihre Gedanken oftmals nur durch einen großen Redeschwall komprimieren können. Wenn sie jedoch darin immer wieder ausgebremst werden, fallen diese sehr wertvollen Meetingteilnehmer irgendwann in eine Art Lethargie, werden gelangweilt, schläfrig und ziehen sich zurück.

 

Es ist ungefähr so, als wenn ein Jaguar, der gerade dabei ist seine volle PS-Zahl auszufahren, vor die Wand fahren muss, oder zumindest ständig zu einer Vollbremsung gezwungen wird. Im schlimmsten Fall entsteht eine tiefe Trauer, bis hin zu schweren Depressionen, da dieSorge, nicht richtig verstanden zu werden, ja gar „falsch“ zu sein, ständig mitschwingt.

 

Diese Lehrerin von der ich sprach, hatte für sich ein Ventil gefunden. Sie konnte ja nicht einfach von den wichtigen Konferenzen wegbleiben, aber sie brauchte einen Ausgleich, um nicht „zu platzen“. Somit joggte sie sich in den kurzen Pausen immer wieder frei. „Das hat mir Erleichterung gegeben und wieder einen klaren Kopf gemacht. Mir war in dem Moment auch total egal, was meine Kollegen von mir denken!“, erläuterte sie mir.

 

Hochbegabung und der IQ

 

Leider ist das Thema Hochbegabung immer noch nicht so bekannt, dass es eine Berücksichtigung bei der Personalwahl findet, oder das die „Eigenarten“ des/der Kollege/in richtig gedeutet, verstanden und zum Vorteil genutzt werden.

Auch den Betroffenen fehlt häufig das Bewusstsein für die eigenen Gaben.

Sie wundern sich, dass es schlecht läuft, fühlen sich missverstanden, nicht dazugehörig und werden zum Außenseiter.

 

Grund dafür ist unter anderem das Verständnis, welches die Allgemeinheit zum Thema Hochbegabung hat. Es wird lediglich das Augemerk auf den logischen/mathematisch Bereich gelegt, welcher auch meist in den IQ-Tests abgefragt wird. Das Spektrum der Intelligenz ist jedoch viel breiter gefächert. Ein IQ-Test und die dahinter stehende Zahl, sind so betrachtet sehr subjektiv.

 

Howard Earl Gardner (* 11. Juli 1943 in Scranton (Pennsylvania)USA) ist Professor für Erziehungswissenschaften und außerordentlicher Professor für Psychologie an der Harvard Universityund außerordentlicher Professor für Neurologie an der Boston University School of Medicine. Er ist auch als Autor mehrerer populärwissenschaftlicher Bücher erfolgreich, zudem beschäftigt er sich mit Fragen der Neuroethik.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Howard_Gardner )

Er entwickelte eine alternative Theorie zur Intelligenz, die multiple Intelligenzen, die er in seinem Buch: „Abschied vom I.Q. – Die Rahmen-Theorie der vielfachen Intelligenzen., darlegt.

 

Mit den Augen von Howard Gardner betrachtet, wird vielen in meinen Coachings, Beratungen, Seminaren oder Workshops erst bewusst, dass sie besondere Begabungen haben und NICHT unnormal oder gar krank sind. So viele Tränen der Erleichterung sind schon geflossen.

 

 

Hochbegabung im Unternehmen

 

Viele Hochbegabte machen sich irgendwann selbständig, damit sie diesen Auseinandersetzungen mit Kollegen nicht mehr ausgesetzt sind. In der Selbstständigkeit können sie schalten und walten wie es für sie stimmig ist.

Auch Geschäftsführer oder leitende Angestellte mit einer Hochbegabung, habenes in den Unternehmen leichter, denn sie sind an der Spitze der Hierarchie und haben somit einen großen Spielraum, den sie benötigen, um ihr volles Potenzial zu entfalten.

Freiraum schafft auch das sogenannte Homeoffice. Es trägt sowohl zum Wohle dieser Persönlichkeiten, als auch dem der Firma bei. Hier kann der Mitarbeiter ganz nach seinem Tempo und in seinen Strukturen schalten und walten. Er ist so in der Lage, sein volles Potenzial zu leben. Das Unternehmen schafft die Flexibilität und beide profitieren enorm dadurch.

 

Viel Spielraum und frohes Schaffen wünscht Euch,

Kirsten